Veröffentlichung in der Elbe-Jeetzel-Zeitung – Diakonische Einrichtungen müssen sich neu aufstellen

In Eigenverwaltung und mit Hilfe von Sanierungsberatern

Dannenberg.Die diakonischen Einrichtungen im Landkreis stehen – wieder einmal – vor einer Restrukturierung. Konkret betrifft das die beiden gemeinnützigen Gesellschaften „Diakonische Reha und Pflege im Wendland“, die in Dannenberg eine stationäre Rehabilitationseinrichtung sowie einen ambulanten Pflegedienst betreibt, sowie die „Diakonische Jugendhilfe im Wendland“, besser bekannt als Jugendwerkstatt im Ostbahnhof. Beide gehören zur Dachstiftung Diakonie in Gifhorn.

Die Geschäftsführung hat eine Restrukturierung in Eigenverwaltung angestrengt, um die Betriebe mit Hilfe eines Insolvenzplanes wirtschaftlich neu aufzustellen. Darüber wurden die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Mittwoch informiert.

Die Eigenverwaltung ist ein neues Instrument der Insolvenzordnung, das eine Unternehmenssanierung deutlich erleichtert, so Geschäftsführerin Dunja Wörthmann, die weiter im Amt bleibt und selbstständig agieren kann. Begleitet wird sie dabei von dem Berliner Rechtsanwalt Olaf Schubert und Dr. Christian Matiebel als Experten für Sanierungsberatung. Rechtsanwalt Dr. Moritz Sponagel aus Hannover wurde vom Amtsgericht Gifhorn zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

Gehälter und Leistungen sind sichergestellt

Dunja Wörthmann und Hans Peter Daub, Vorstand der Dachstiftung Diakonie, betonen, dass die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgesichert seien. Auch alle medizinischen und sonstigen Leistungen in der Pflege und in der Jugendwerkstatt seien weiterhin ohne Einschränkungen sichergestellt. „Wir bleiben ein verlässlicher Partner“, so Daub.

„Das gestartete Eigenverwaltungsverfahren richtet sich darauf aus, dass wir es schaffen, die Gesellschaften zu sanieren“, betont Dunja Wörthmann. Probleme – verursacht durch „zunehmend steigende Sachkosten und derzeit teilweise unzureichende Refinanzierungen durch die Sozialträger“ – gebe es in allen drei Sparten. Das gilt besonders für den ambulanten Pflegedienst. Wegekosten, die hierzulande besonders anfallen, werden von den Kassen nicht übernommen. Und die interessiere auch nicht, „Dass wir unsere 75 Pflegekräfte nach Tarif bezahlen“. Die betreuen 270 Patientinnen und Patienten im gesamten Kreisgebiet. Man hofft, dass die aktuellen Verhandlungen mit den Kassen endlich Erleichterung bringen.

Die Reha Dannenberg, die psychisch krank Menschen bei ihrer beruflichen Rehabilitation unterstützt, leidet darunter, dass die Facharztstelle zeitweise unterbesetzt war, was Folgen für die Belegung hatte. Andererseits sei es aber unbedingt notwendig, dass die Einrichtung – mit 22 stationären Plötzen und 20 Mitarbeitenden – in der Stadt bleibe, um Menschen aus Nordost-Niedersachsen und angrenzenden Regionen eine wohnortnahe Hilfemöglichkeit zu bieten. Weil es aber auch in der Dachstiftung Diakonie keine vergleichbare Einrichtung gibt, wird nun nach einem starken Partner gesucht, der sich in der Pyschatrie-Landschaft gut auskennt.

Auch die Jugendwerkstatt im Ostbahnhof ist kein Geldbringer, gleichzeitig ist der Bedarf an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 27 Jahre im Landkreis derart groß, dass vor kurzem die Zahl der Plätze von 16 auf 23 aufgestockt wurde. Auch hier sei eine Schließung keine Alternative, betont Wörthmann.

„Diakonischer Auftrag weiter erfüllt“

Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, die Voraussetzungen für einen dauerhaften Weiterbetrieb der beiden Gesellschaften zu schaffen. Geschäftsführerin Dunja Wörthmann: „Uns ist wichtig, dass unser diakonischer Auftrag weiter erfüllt werden kann und auch unsere Mitarbeitenden weiter gern für uns arbeiten“. Sie sieht in der Sanierung in Eigenverwaltung eine gute Chance, bis zur Umsetzung einer Investorenentscheidung sowie Neuverhandlungen, etwa mit Vermietern, zu einer dauerhaft tragfähigen Lösung für beide Unternehmen zu kommen.

Von Christiane Beyer    © Elbe-Jeetzel-Zeitung