Veröffentlichung in NOZ – „Das Möbelhaus Hartmann in Detern ist insolvent“

Das Möbelhaus Hartmann in Detern ist insolvent

Detern / Völlenerfehn. Das Möbelhaus Hartmann in Detern hat Insolvenz angemeldet. Unterdesssen warten Kunden des Unternehmen vergeblich auf bestellte und angezahlte Möbel und Küchen.

„Herzlich willkommen beim Möbelhaus Hartmann in Detern, zurzeit sind alle unsere Mitarbeiter im Gespräch oder Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an“, teilt eine fröhlich klingende Frauenstimme mit. Es wird noch auf die Öffnungszeiten verwiesen, die auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht sind – mehr nicht. Über das, was passiert ist, erfährt der Anrufer nichts. Die Firma ist zahlungsunfähig. Inhaber Björn Hartmann hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Rechtsanwalt und Betriebswirt Dr. Moritz Sponagel aus Bremen wurde am 29. Januar 2021 vom Amtsgericht Leer zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Neun Mitarbeiter des Möbelhauses bangen um ihre Jobs.

7000 Euro angezahlt, aber die Küche wird nicht geliefert

Darüber hinaus warten Kunden auf die Auslieferung ihrer bestellten und zum Teil bereits bezahlten Möbel und Küchen. Zu ihnen gehört Nicola Mende aus Völlenerfehn. Über eine Zeitungsanzeige waren sie und ihr Mann im vergangenen November auf eine Rabattaktion des Deterner Möbelhauses aufmerksam geworden. Seinerzeit waren Küchen zum Messepreis angeboten worden. Das Ehepaar suchte sich eine Küche aus und zahlte die Hälfte des Kaufpreises an: fast 7000 Euro. Seither warten Mendes darauf, dass der Möbelwagen von Hartmann bei ihnen vor fährt und ihre Küche geliefert wird. „Ich bin inzwischen überzeugt, dass das nicht mehr geschieht, und ob wir das Geld zurückerhalten, steht ja wohl auch in den Sternen“, sagt Nicola Mende.

Kundin ist zutiefst verärgert

Eine neue Küche haben die Völlenerfehner immer noch nicht. Dafür fehle ihnen im Moment das Geld. Sie kochten seit November auf einem alten Zweiplattenherd in der Garage. „Ich ärgere mich maßlos. Aber es geht nicht nur uns so. Inzwischen habe ich elf weitere Hartmann-Kunden ausfindig gemacht, denen es so wie uns ergangen ist. Vom Möbelhaus hat sich noch niemand bei uns gemeldet, um die Sache zu klären“, macht Mende ihrem Unmut Luft.

Derweil ist der Insolvenzverwalter um Schadensbegrenzung bemüht. Er habe sich einen ersten Überblick über die Situation des Betriebes verschafft, teilt der Bremer Rechtsanwalt mit. Noch sei er allerdings nicht über alle Details im Bilde. „Herr Hartmann ist als Möbel- und Küchenbauer einzelunternehmerisch als eingetragener Kaufmann tätig. Der Geschäftsbetrieb des Schuldners ist aufgrund der Corona-Auflagen derzeit nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Im Betrieb des Herrn Hartmann sind neun Mitarbeiter in ungekündigten Arbeitsverhältnissen angestellt“, fasst Sponagel zusammen.

Ein Investor wird jetzt gesucht

Der Betrieb des Unternehmens solle dahingehend fortgeführt werden, dass die bereits bestellten Möbel bei den Endkunden aufgebaut und montiert würden. „Es ist beabsichtigt, das Unternehmen bis zum 31. März 2021 mit seinen Mitarbeitern fortzuführen und – sofern die Corona-Beschränkungen dieses zulassen – das Möbelhaus wieder für den Kundenverkehr zu öffnen“, stellt der Insolvenzverwalter in Aussicht. Zudem sei beabsichtigt, die Löhne und Gehälter der angestellten Mitarbeiter für die Monate Januar 2021 bis einschließlich März 2021 über einen Kredit vorzufinanzieren.

Dr. Moritz Sponagel: „Derzeit sehe ich gute Möglichkeiten für den Erhalt des Geschäftsbetriebes im Wege einer übertragenen Sanierung.“ Dafür werde ein Investor gesucht, der das Möbelhaus weiterführen möchte. Ob das gelinge, werde sich zeigen. Die Corona-Pandemie mache alles nicht einfacher.

Björn Hartmann hat es vor ein paar Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach Ostfriesland verschlagen. Im April 2018 gab er schließlich bekannt, neuer Inhaber des Möbelhauses an der Westerlandstraße in Detern zu sein. Vor allem vielen Ostfriesen und Ammerländern ist es unter dem alten Namen Möbel Cordes bekannt. Das Traditionsgeschäft bestand seinerzeit schon 95 Jahre.

Von Christine Schneider-Berents   © NOZ